Geschichte

 

Borlinghausen wird zum ersten Mal in einer Urkunde vom 8. Dezember 1065 unter dem Namen ''Burchartinchusen'' erwähnt, zur Zeit des deutschen Königs und späteren Kaisers Heinrich IV., der von 1050 bis 1106 lebte und durch seinen Gang nach Canossa im Jahre 1077 besondere Berühmtheit erlangte. König Heinrich IV. schenkte im besagten Jahr 1065 seinem ehemaligen Lehrer, dem Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen, einen Forst "Herescephe (Herrschaft)" im Gau Engern. In der genannten Urkunde wird als Grenze davon angegeben: "Von der Mündung der Ambrinna (Emmer) das Ufer der Wisera (Weser) hoch bis zur Mündung der Dimila (Diemel) und von der Dimila (Diemel) aufwärts bis zum Dorf Scerna (Scherfede) und von dort aus durch die nach Norden verlaufende Linie der Dörfer Burchartinchusen (Borlinghausen), Wilbvtissun (Willebadessen), Altinherise (Altenheerse), Langineissina (Langeneissen), Dringin (Dringen), Tutenhusun (Donhausen), Eumissum und Bellictors bis zur Ambrinna (Emmer) und diesen Fluss hinunter bis zur Wisera (Weser)."

''Burchartinchusen'' heißt soviel wie “bei den Häusern des Burchard”. Burchard war ein althochdeutscher Männername und bedeutet “der zum Bergen oder Schützen Kühne”. Er war der Gründer und Grundherr der Siedlung, unter der man sich einen Einzelhof oder eine Sippensiedlung, bestehend aus drei bis vier Höfen, vorstellen kann.

Im Laufe der Zeit änderte sich der Name in ''Burchartinghusen'' (1102), ''Burchardinchuson'' (1120), ''Borgardinchusen'' (1232), ''Borninghusen'' (1584), ''Bornighusen'', ''Borlinghusen'' und zuletzt Borlinghausen, mundartlich “Burnechousen”.

Obwohl Borlinghausen erstmalig 1065 genannt wird, so dürfte sein Ursprung in der sächsischen Zeit zwischen 500 und 800 liegen, in der es den westlichen Teil der “Mark Löwen” bildete. In diesem Zeitraum entstanden die meisten Orte mit der Endung “hausen”. Die Mark Löwen wiederum gehörte zum Hessisch-Sächsischen Gau.

Kaiser Karl der Große eroberte Sachsen in den Jahren 772 bis 804. Die bisherigen Gaue wurden einem Grafen unterstellt und hießen seitdem "Grafschaften". Der Kaiser beanspruchte die Oberhoheit über die Marken und die Macht der Gaugrafen nahm zu deren Lasten immer mehr zu. Die Sachsen wurden von Karl dem Großen unter Androhung der Todesstrafe gezwungen, den christlichen Glauben anzunehmen und sich taufen zu lassen.

Um 1000 herrschte Dodiko von Warburg über die Hessisch-Sächsische Grafschaft. Als dessen einziger Sohn tödlich verunglückt war, schenkte er diese Grafschaft dem Paderborner Bischof Meinwerk (1009 bis 1036). Die Schenkung wurde durch den Kaiser Heinrich II. genehmigt. Damit war Borlinghausen für fast 800 Jahre, bis zum Jahr 1803 und der Säkularisation an Preußen, Teil des "Hochstifts Paderborn" und seines Fürstbischofs geworden.

1338 lässt sich Johann von Spiegel in dem Gebiet Borlinghausens nieder. Wahrscheinlich baute er sich ein Haus in den Wällen der alten Volksburg im Eggegebirge am sogenannten Burgweg.

1376 hatte ein Ritter von Epe das Gut Borlinghausen als Lehen des Grafen von Waldeck in Besitz. Ein Viertel des Gutes gehörte Gyr von Calenberg.

Im Jahr 1411 belehnten die Grafen von Waldeck den Ritter Gerd von Spiegel zu Peckelsheim mit Dorf, Burg und Kirchlehen in Borlinghausen. Die Borlinghausener Linie der Spiegel war ausgestorben.

Johann von Spiegel zu Peckelsheim, Erbmarschall des Hochstifts Paderborn, hinterließ nach seinem Tod 1559 seinen Söhnen Georg, Werner, Raban und David Schweckhausen, Borlinghausen, Holtheim und Ikenhausen, dazu Höfe, Hufen, Zehnten und andere Rechte in Peckelsheim, Drankhausen, Willegassen, Löwen und Körbecke. Im Jahr 1577 würde unter den Söhnen das Erbe geteilt. Borlinghausen ging an Werner von Spiegel, der bereits 1567 Nachfolger seines Vaters als Erbmarschall des Fürstbischofs von Paderborn geworden war. 1587 wurde der Bau des Wasserschlosses in Borlinghausen durch ihn beendet. Werner von Spiegel starb 1594 und wurde von seinem unmündigen Sohn Johann von Spiegel beerbt.

Im Jahr 1755 gründete der Erbmarschall Johann Heinrich von Spiegel, ein früherer Offizier in Diensten´des Herzogtums Braunschweig, den Borlinghausener Schützenverein. Das Rittergut Borlinghausen erbte 1789 sein einziger Sohn Karl Franz Theodor von Spiegel.

Im Frieden von Tilsit am 9. Juli 1807 musste Preußen alle seine Gebiete westlich der Elbe an den französischen Kaiser Napoléon Bonaparte abtreten. Er bildete aus diesen und weiteren Gebieten das Königreich Westfalen und übergab es seinem jüngsten Bruder, dem 26jährigen Jérôme Bonaparte, der damit auch über Borlinghausen von Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel aus herrschte. Der Freiherr von Spiegel-Borlinghausen wurde Kammerherr bei ihm, sein Sohn 1813 Hauptmann in seiner Armee. An der Spitze der Gemeinden wurde ein sogenannter "Maire" gestellt, in Borlinghausen wurde der Freiherr von Spiegel dazu ernannt. Borlinghausen gehörte nun zum Kanton Peckelsheim, Distrikt Höxter, Departement Fulda. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 mussten die Franzosen aber schließlich wieder fliehen.

1822 erbte Karl Josef von Spiegel das Gut Borlinghausen und hinterließ es 1832 seinem einzigen Kind Marie Louise. Diese heiratete 1835 Franz Karl Freiherr von Elmendorff und verkaufte 1839 Borlinghausen an den protestantischen Bankier Bierbaum aus Braunschweig, der ihr sieben Jahre zuvor 44.000 Taler geliehen hatte, um ihre Mutter und ihren Onkel auszahlen zu können. Damit war die Linie derer von Spiegel nach fünf Jahrhunderten in Borlinghausen erloschen.

Der Bankier Bierbaum schenkte das Gut wiederum seinem ältesten Sohn Julius, der 1847 für seine Ehefrau auf dem Kamm des Eggegebirges 431 m über NN einen Wart- und Aussichtsturm errichten ließ, der noch heute den Namen "Bierbaums Nagel" trägt. Von hier aus konnte sie bei klarem Wetter den Herkules, das Wahrzeichen ihrer Geburtsstadt Kassel, sehen.

Im Jahr 1856 wurde in Dortmund eine Gesellschaft gegründet, die sich “Teutonia” nannte. Ihr Ziel war es, im Raum Borlinghausen nach Eisenerz zu graben und es dort zu verhütten. So entstand an jenem nördlich von Borlinghausen gelegenen Ort im selben Jahr eine neue Siedlung, die den Namen "Teutonia" erhielt. Der angrenzende Teutoniawald ist heute ein EG-Vogelschutzgebiet.

1860 verkaufte Julius Bierbaum das Gut Borlinghausen an Oswald Freiherr von Wendt, einen ehemaligen katholischen Oberstleutnant in der Österreichisch-Ungarischen Armee, der von 1869 bis 1872 die Borlinghausener Kirche "St. Maria Hilfe der Christen" erbauen ließ. Über dem Eingangsportal der Kirche sieht man das Wappen des Freiherrn von Wendt, drei Helme. Das vierstimmige Geläut gossen Joseph Edelbrock und sein Sohn Rudolf aus Gescher. Im Jahr 1877 starb Oswald Freiherr von Wendt unvermählt und seine Schwester Leonia Gräfin von Marchant und Ansembourg zu Neuburg in Holland, die 1837 Oscar Laurent de Marchant et d’Ansembourg geheiratet hatte, erbte das Gut. Sie überließ es 1880 ihrer Tochter Marie, die mit dem Grafen Franz zu Stolberg-Stolberg aus Westheim (Westfalen) verheiratet war. Dieser ließ 1892 die Grabplatten Werner von Spiegels und seiner Ehefrau Katharina von Kanne in die Ostwand der Kirche einmauern.

Am 01.12.1910 hat Borlinghausen 287 Einwohner.

Nach dem Tod des Grafen Franz zu Stolberg-Stolberg im Jahr 1912 verkaufte sein Sohn Josef das Gut Borlinghausen an die Ehefrau des Freiherrn von Fürstenberg aus Körtlinghausen, eine Tochter des langjährigen Reichstagspräsidenten (1898-1907) Franz Xaver Graf von Ballestrem.

In den Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 zogen 63 Borlinghausener Bürger, von denen 22 aktiv gedient hatten. 13 von ihnen kamen in diesem Krieg ums Leben. Ihre Namen waren Otto Tewes, Wilhelm Figge, Heinrich Gockeln, Anton Lohre, Johannes Reiffer, Alois Mertens, Paul Eichler, Wilhelm Reiffer, Johannes Gockeln, Karl Reiffer, Josef Schreiber, Karl Simon und Johannes Bruns.

1926 kaufte Klemens Reichsfreiherr von Weichs zur Wenne das Gut Borlinghausen. Er war verheiratet mit Maria Gräfin von Galen, einer Nichte des mittlerweile selig gesprochenen früheren Münsteraner Kardinals Clemens August Graf von Galen (1878 bis 1946), den die Gläubigen wegen seiner Predigten gegen die Nationalsozialisten “Löwe von Münster” nannten.

In den Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 wurden 88 Soldaten aus Borlinghausen eingezogen, von denen 23 fielen und 5 für immer vermisst blieben. Ihre Namen waren Josef Mertens, Freiherr Johannes von Weichs, Josef Jochheim, Heinrich Jochheim, Otto Müller, Erwin Schäfers, Willi Tewes, Edi Mertens, Bernhard Küting, Heinz Lippert, Johannes Tewes, Karl Jochheim, Alois Jochheim, Fridolin Jochheim, Eduard Gockeln, Wilhelm Becker, Konrad Adrian, Willi Cramer, Otto Tewes, Karl Breker, Karl Pohlmann, Bernd Eusterschulte, Bruno Cramer, Albert Stratemeier, Franz Scheele, Rudolf Wäscher, Gottfried Müller und Heinrich Gockeln. Weiterhin fielen von den in Borlinghausen verbliebenen Ostvertriebenen 6 Soldaten und 5 weitere blieben für immer vermisst. Deren Namen waren Bernhard Bretschneider, Bruno Oberfeld, Erich Scholz, Hans Weiß, Karlheinz Schocke, Fritz Wittenberg, Rudolf Haberland, Gerhard Weichelt, Ambros Heiden, Harry Heidrich und Hans Keißler.

Im Jahr 1965 feierte Borlinghausen seine erste urkundliche Erwähnung vor 900 Jahren.

Am 15. Juli 1973 wurde der Tennisclub "Egge Borlinghausen 1973" e. V. gegründet.

Am 01. Januar 1975 wurde Borlinghausen im Zuge der Gemeindereform durch das Sauerland/Paderborn-Gesetz ein Teil der Stadt Willebadessen.

Am 27. November 1976 wurde der SV Borlinghausen e. V. gegründet.

Die Jugendfeuerwehr Borlinghausen gibt es seit dem 01. April 1980.

 

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